Die Stückwahl

Die Stückwahl ist jedes Mal aufs Neue eine große Herausforderung.

Das Prinzip

Im Musicalbereich haben wir leider das Problem, dass wir das gewünschte Musical entweder selbst schreiben oder um Aufführungsrechte ansuchen müssen. Wir können nicht nach belieben jene Musicals aufführen, die uns gerade am besten passen oder gefallen.

Neue Stücke

Ein Stück, das frisch auf den Markt gekommen ist, ist zu Beginn meist für die Profigruppen reserviert und somit für uns nicht aufführbar. Haben die Profigruppen das Stück abgespielt, so besteht für Amateur- und Laiengruppen die Möglichkeit, sich die Rechte zu reservieren. Ab diesem Zeitpunkt ist es möglich, dass mehrere Gruppen dasselbe Stück präsentieren, wenn sie gegenseitig den Gebietsschutz einhalten. Früher definierte sich der Gebietsschutz so, dass alles, was im Umkreis von zwei Stunden Autofahrt erreichbar war, als gesperrt galt. Dieser Schutzbereich wurde zwischenzeitlich auf mindestens eine Flugstunde erhöht. Die Organisation, welche die Rechte vergibt, prüft auch diesen Gebietsschutz. Dabei ist es von Stück zu Stück verschieden, was die Verträge diesbezüglich vorsehen.

Verträge

Die Verträge geben aber auch noch viele andere Punkte vor. Teilweise gibt es Regelungen, dass Amateur- und Laiengruppen gar keine Berechtigung erhalten, das Stück aufzuführen. Oder es gibt unterschiedliche Stückausführungen für Schulgruppen und wieder andere für Laiengruppen und Vorgaben, welche Notensets verwendet werden müssen und wie das Orchester besetzt werden muss. Dass bestimmte Nummern aus einem Musical nicht gespielt werden dürfen oder das Stück nur dann aufgeführt werden darf, wenn wirklich alle Nummern gespielt werden usw. Aber auch Vorschriften, wie Plakate und Programmhefte auszusehen haben, wie die Kostüme aussehen müssen und wie das Stück beworben werden darf. Wie groß das Haus sein muss, in dem aufgeführt wird, wie viele Aufführungen gemacht werden müssen usw.

Hier bewegen wir uns in einem sehr engen Korsett.

Sonderbares

Die Kuriositäten, die in diesen teilweise antiquierten Verträgen immer wieder auftauchen, verleiten zum Schmunzeln und sind immer wieder lesenswert. Beispielsweise durfte das Musical FAME nur im Umkreis von 25 km rund um die Aufführungsstätte beworben werden. Oder bei CATS war es nicht erlaubt, die Geschlechter der Darsteller zu wechseln. Es gab aber auch keine Vorgaben, welche Figur Katze und welche Kater ist.

Kann man sich mit all diesen Umständen und Vorgaben anfreunden, dann kann man sich die Rechte reservieren und genießt gleichzeitig Schutz durch die Schirmherrschaft der Rechtevergabestelle.

Da es keine zentrale Anlaufstelle dafür gibt, muss man natürlich erst einmal herausfinden, wer die Verträge für das gewünschte Stück vergeben darf. Dann anfragen, ob das Stück verfügbar ist und wie die Verträge dafür aussehen. Das ist unter Umständen eine sehr mühsame und zeitaufwendige Suche.

So weit, so gut. Dieser Prozess trifft alle Gruppen, die öffentliche Aufführungen planen. Für Schulklassen und ihre Schulaufführungen gibt es teilweise Ausnahmen.

Die Herausforderung

Da wir nicht der Aufführung wegen Aufführungen machen und auch nicht auf Profis zurückgreifen, wenn wir mal eine Rolle nicht optimal besetzen können, haben wir hier eine ganz spezielle Herausforderung bei der Stückwahl.

Eignung

Wir suchen ein Stück, das einerseits verfügbar und andererseits für die aktuell vorhandenen Mitglieder - also die Zusammenstellung der Musicalgruppe - geeignet ist. Geeignet unter Berücksichtigung der aktuellen Ressourcen und der möglichen weiteren Entwicklung bis zum Aufführungszeitpunkt. Die Einschätzung erfolgt auf Grund der Erfahrungswerte aus der Quintessenz des Potenzial-Castings.

Ein weiterer wesentlicher Faktor ist natürlich, dass das Stück ein besonderes Erlebnis für die Mitglieder – und nicht zu vergessen für das Publikum – sein soll.

Natürlich werden aber auch noch Kosten für das Orchester, Kostüme, Bühnenbild, Bewerbung, etc. berücksichtigt.

Was bleibt

Freie Stücke sind relativ schnell gefunden. Aber ein gutes und geeignetes Stück zu finden ist eine große Herausforderung. Ein Abwägen der Risiken, ein Abschätzen, wie das Stück bei den SpielerInnen und beim Publikum ankommen wird, mit wie vielen verfügbaren ehrenamtlichen Helfer zu rechnen ist und wie es um die Finanzen bzw. die Kalkulation des Budgets bestellt ist uvm.

Das alles zusammen ist ein Spiel mit dem Feuer, das auf Intuition und Erfahrungswerten beruht und dennoch immer viele Fragezeichen offen lässt.